Was für ein Irrtum, zu glauben, mein Gegenüber würde nicht mitbestimmen, welche Facetten meiner Persönlichkeit ich ihn sehen lasse. Ich reflektiere mich in ihm wie in einem Spiegel, dessen Beschaffenheit das Kriterium meines Sichtbarwerdens ist. Lohnenswert, hin und wieder einen Blick in diesen Spiegel zu riskieren und zu prüfen, ob mir gefällt, was mich dort anschaut…
Archiv für die Kategorie ‘wahrhaftig’
Facetten des Ich
November 26, 2008The truth about drinking
August 24, 2008Dorothy/Michael: „Why do you drink so much?“
Julie: „Because it’s not fattening… and it’s not good for me. How many things can you say that about?“
aus: Tootsie (Sydney Pollack, 1982)
Kann man schlecht widersprechen
Juli 14, 2008Man kommt zu sich selbst selten zu spät.
Kafka
April 28, 2008„Das Buch als Axt für das gefrorene Meer in uns.“
(Franz Kafka)
Lalala
Januar 20, 2008Ich höre Minimalmusik, weil ich Platz brauche.
Alle Jahre wieder und doch so anders – Drama in einem Akt
Dezember 26, 2007Personen:
ehemaliger Mitschüler A
ehemaliger Mitschüler B
meine Person
andere Kneipenbesucher
Zeit:
23. Dezember 2007 21:00
Ort:
Das alljährliche inoffizielle – aber aus diesem Grund meist gut besuchte, da entspannte – Klassentreffen von Absolventen diverser Überlinger Schulen findet statt, in einer bekannten Kneipe, in der alle den Teil ihrer Jugend gelassen haben, an den man sich gerne erinnert
1. Akt:
Beim Aufgehen des Vorhangs ertönt Kneipenlärm.
Die drei Hauptpersonen sind trotz der Menschenmassen die bislang einzigen Anwesenden ihres Abschlussjahrgangs. Sie befinden sich aufgrund des erwarteten Andranges seit 18:00 in der Schankstube und infolgedessen schon in fortgeschrittenem alkoholisierten Zustande. Man lehnt sich (noch) locker an den Tresen, die Herren stehen jeweils zur Rechten und Linken der Dame.
ehemaliger Mitschüler A: Hm, was glaubt ihr, wer noch so von unserer Stufe kommt?
Man nennt mehrfach Namen, denen sofort Kommentare folgen wie „Nein, der/die ist verheiratet/ausgewandert/mit Kindern gesegnet/verschollen/ u.ä.“.
Nach kurzer Zeit verfallen alle in Schweigen und starren ins Bier.
ehemaliger Mitschüler B (stöhnend, sich eine Hand in den Rücken stemmend): Oh, nächstes Jahr komm ich noch früher. Dann krieg ich wenigstens noch nen Sitzplatz.
Vorhang fällt.
ENDE
Ich hasse… dünne Frauen
August 4, 2007Sie essen nie was, haben immer Hunger und sind infolgedessen ständig nah am Rande der miesen Laune. Aus unerfindlichen Gründen wirken diese Frauen auf Männer unglaublich attraktiv. Wecken mit ihrem kuhäugigen Blick und ihrem unausgeglichenen Hascherlgehabe wahrscheinlich tiefliegende Beschützerinstinkte. Wie soll man als ausreichend Ernährte neben sowas um männliche Aufmerksamkeit konkurrieren? Essen hat ja leider den unangenehmen Nebeneffekt, für ein ausbalanciertes Wohlbefinden zu sorgen, das jeglichen Eindruck von Zerbrechlichkeit verhindert. Doch damit der Demütigung noch nicht genug. Wenigstens die Freude am Essen hätten sie uns ja lassen können. Aber nein. Essen in Gesellschaft solcher Frauen macht keinen Spaß! Sie bringen uns – meist sogar wortlos – dazu, das Essen unter ständiger Aufbietung von Argumenten der Rechtfertigung zu vollziehen. Welch ein Genuss! Und als ‘Sahnehäubchen’ obendrauf dürfen wir uns anschließend mit deren Problemen und Launen herumschlagen, die wir selbst ja nicht haben… denn wir sind ja stabil in Körper und Geist!
Kinobesuch mit Selbsterkenntnis
Juni 17, 2007Gestern im Kino hab ich mit nem Abschnitt aus der 5-er Goldkarte gezahlt. Die sind ja alle nummeriert, damit nicht mehrere Leute mit einem Ticket reinkönnen. Da sagte das Mädel an der Kinokasse: „Ha, die Nummer hab ich ja tatsächlich noch nicht.“ – hat kurz gedauert, bis ichs verstanden hab, da ich erstmal an die Euro-Rückseiten-Sammel-Wütigen gedacht hab – was ja aber gar keinen Sinn macht – bis ich dann kapiert hab, dass sie lauter dieser winzigen Goldkartenabschnitte vor sich liegen hat und immer alle Nummern vergleicht. „Ich vergleich die nämlich schon“, setzte sie mit einem gewichtigen Kopfnicken dann auch nach. Hm, eigentlich bin ich davon in unserer kontrollfanatischen und datenspeicherreichen Zeit vollkommen ausgegangen. Ich hätte nur erwartet, dass sie das elektronisch machen. Ist ja erstens von höherer Instanz viel besser kontrollierbar, ob denn die Gute an der Kasse das auch korrekt macht, und zweitens, was noch viel wichtiger ist, auch noch für Zweitverwertungen a la „Erhebungen über das Kinobesuchverhalten von Goldkartenerwerbern“ nutzbar. Und diese Chance lassen die sich entgehen… Nicht zu fassen. Eigentlich müsste man da ja als Kinobesucher schon fast darauf bestehen, da man dadurch ja fast den Eindruck erhält, kundengerechte Verbesserungen lägen nicht im Interesse des Kinos. Geradezu unverschämt… Bitte überwachen Sie mich!!!
Genug der Scherze, denn die ganze Epsiode brachte mich ernsthaft zum Nachdenken. Es ist doch eigentlich erschreckend, dass ich es völlig natürlich gefunden hätte, dass man Daten von mir speichert. Zugegeben einigermaßen anonym, aber das lässt sich ja auch auf andere Bereiche übertragen. Und wieder einmal bleibt mir angesichts solcher Selbsterkenntnis ein mulmiges Gefühl und die vage Hoffnung, für die Zukunft daraus etwas gelernt zu haben.